Amazon macht einen gewaltigen Sprung in den Weltraumwettlauf und signalisiert damit seine Absicht, die Dominanz von SpaceX bei der Satellitenkonnektivität herauszufordern. Durch einen gemeldeten 11,6-Milliarden-Dollar-Deal zur Übernahme des Satellitenanbieters Globalstar will Amazon sein „Leo“-Projekt (Low Earth Orbit) vorantreiben und sich eine wichtige Stellung auf dem Direct-to-Device-Markt sichern.
Stärkung der Leo-Infrastruktur
Der Schwerpunkt der Übernahme liegt darauf, die gesamte Satelliteninfrastruktur, die Vermögenswerte und den Betrieb von Globalstar unter dem Dach von Amazon zusammenzuführen. Derzeit betreibt Globalstar mit Sitz in Louisiana 24 Satelliten und plant, diese Flotte bis Ende dieses Jahres auf 32 zu erweitern.
Dieser Schritt ist ein strategischer Dreh- und Angelpunkt für die Satellitenabteilung von Amazon, die früher als Project Kuiper bekannt war. Durch die Integration der bewährten Technologie von Globalstar hofft Amazon, seine Fähigkeit zu beschleunigen, Benutzern in abgelegenen Gebieten, die herkömmliche Mobilfunkmasten nicht erreichen können, eine nahtlose Konnektivität bereitzustellen.
Die Apple-Verbindung: Ein wichtiger Link
Einer der wichtigsten Aspekte dieses Deals ist seine Auswirkung auf das Apple-Ökosystem. Globalstar ist derzeit das Rückgrat für Apples Notfall-Satellitenfunktionen, die es iPhone 14 und neueren Modellen sowie der Apple Watch Ultra 3 ermöglichen:
– Senden Sie Notfall-SOS-Texte.
– Fordern Sie Pannenhilfe an.
– Teilen Sie Standorte und benachrichtigen Sie Ihre Lieben bei Naturkatastrophen.
Im Rahmen der neuen Vereinbarung wird der Leo-Dienst von Amazon die Bereitstellung dieser wichtigen Dienste für iPhone- und Apple Watch-Benutzer übernehmen. Dadurch entsteht eine einzigartige technologische Schnittstelle, bei der die orbitale Infrastruktur von Amazon die beliebtesten Verbrauchergeräte von Apple direkt unterstützen wird.
Der Wettlauf gegen Starlink
Diese Übernahme stellt eine direkte Herausforderung für Elon Musks Starlink dar, das derzeit mit über 10.000 Satelliten im Orbit branchenführend ist. Während Starlink bereits Highspeed-Internet für Smartphones, Fahrzeuge und Haushaltsgeräte bereitstellt, setzt Amazon auf einen anderen technologischen Ansatz.
Amazon behauptet, dass Leo, sobald es voll funktionsfähig ist, eine höhere Spektrumseffizienz als herkömmliche Direct-to-Cell-Systeme bieten und möglicherweise eine robustere oder kostengünstigere Alternative zu bestehenden Satelliten-zu-Telefon-Technologien darstellen wird.
Hürden und Fristen
Trotz des ehrgeizigen Umfangs des Deals steht Amazon vor erheblichen logistischen und regulatorischen Herausforderungen:
- Bereitstellungsverzögerungen: Während Amazon hofft, „Milliarden von Kunden“ zu erreichen, stellte CEO Andy Jassy kürzlich fest, dass Wi-Fi-Dienste für Unternehmen und Regierungen wahrscheinlich erst Mitte 2026 eingeführt werden.
- Die FCC-Frist: Amazon steht unter dem Druck der Federal Communications Commission (FCC), bis Juli 1.600 Satelliten im Orbit zu haben. Derzeit hat das Unternehmen nur 250 bereitgestellt. Amazon hat eine Verlängerung beantragt, die Agentur hat diese jedoch noch nicht gewährt.
- Behördliche Genehmigung: Der Abschluss der Globalstar-Übernahme wird voraussichtlich nicht vor 2027 erfolgen, solange noch verschiedene regulatorische Hürden zu überwinden sind.
Zukünftige kommerzielle Anwendungen
Die langfristige Vision für Leo geht über Smartphones hinaus. Amazon hat bereits Partnerschaften mit großen Fluggesellschaften geschlossen, darunter Delta Air Lines und JetBlue, die Leo zur Bereitstellung von Konnektivität während des Flugs für Passagiere nutzen wollen.
„Leo wird Satellitendienste für iPhone und Apple Watch bereitstellen, einschließlich Notfall-SOS über Satellit“, erklärte Amazon und betonte den unmittelbaren Nutzen des Deals für Unterhaltungselektronik.
Schlussfolgerung
Durch die Übernahme von Globalstar versucht Amazon, die technischen Hürden seines Kuiper-Projekts zu überwinden, um direkt mit SpaceX zu konkurrieren. Im Erfolgsfall wird dieser Schritt Amazon von einem Einzelhandelsriesen zu einem wichtigen Rückgrat der globalen Telekommunikation machen, das alles von iPhones bis hin zu Verkehrsflugzeugen verbindet.





















