Paris hat gerade den neunten Jahrestag des weltweit größten Startup-Campus eröffnet.
Station F. Sie ist riesig. Es ist laut. Früher war es ein Bahnhof, der niemanden interessierte. Jetzt? Es ist der Schwerpunkt der europäischen Technologie. Seit 2017 hat der Ort über 9.000 Unternehmen abgewickelt. Hugging Face ging aus diesen Türen. Pasqal. Pollenrobotik. Der Lebenslauf liest sich wie eine Trefferliste.
Aber die Zahlen, die sie diese Woche veröffentlicht haben, erzählen eine andere Geschichte als die Hype-Maschine normalerweise.
Die KI-Verschiebung
Im Moment ist alles künstliche Intelligenz.
Station F führte ein neues Programm namens F/AI ein, um sicherzustellen, dass alle wichtigen Spieler anwesend waren. Mistral AI kam in die Stadt.
Die Statistiken sind jedoch seltsam.
77 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass KI ihnen geholfen hat, weniger Leute einzustellen. Macht doch Sinn, oder? Aber warte. 82 Prozent dieser Unternehmen stellen in den nächsten Monaten immer noch neue Mitarbeiter ein oder planen dies.
Sie möchten wissen, wessen Werkzeuge sie tatsächlich verwenden? Meistens nicht die aus dem Tal.
Neunzig Prozent der Teams hier vertrauen auf Claude von Anthropic.
Das ist ein gewaltiger Umbruch. Im Jahr 2024 sorgte OpenAI für Aufsehen auf dem Campus. Anthropic blieb auf dem dritten Platz hängen. Jetzt ist Claude die Standardeinstellung. Es fühlt sich hier weniger wie ein Werkzeug an, sondern eher wie das Betriebssystem zum Erstellen von Dingen.
Auch Abgänge finden statt. Erst dieses Jahr wurde Koyeb – ein Absolvent der letzten Charge – von Mistral aufgegriffen.
Es folgt einem Muster. Pollen gingen zu Hugging Face. Mithril Security ging an die H Company. Sonio zu Samsung. Niemand bleibt für immer unabhängig.
Die Störung vergrauen
Erinnern Sie sich an das Stereotyp? Der zwanzigjährige Aussteiger im Kapuzenpullover. Störende Dinge, bevor ihre Kreditwürdigkeit überhaupt aufgebaut ist.
Das ist weg.
Der durchschnittliche Gründer an Station F ist sechsunddreißigeinhalb Jahre alt. Vor zehn Jahren? Einunddreißig. Jeder Fünfte hat mittlerweile einen Doktortitel.
Der Mythos vom frischen Genie stirbt.
Warum? Weil die Hürde für den Eintritt schwieriger wurde. Die Ideen, die jetzt gefördert werden, erfordern tiefgreifende technische Kenntnisse. Eine clevere Idee kann man nicht mehr einfach auf einer Serviette präsentieren. Du brauchst Erfahrung. Echte Jobs. Echte Narben.
Niemand will einen Börsengang.
Die Hälfte der hier ansässigen Gründer geht davon aus, dass ihre Reise mit einer Übernahme enden wird. Sie kennen das Spiel.
Nur 9 % träumen von einem Börsengang. Letztes Jahr waren es 16 %. Der IPO-Traum ist nicht mehr nur still – er ist ein Geisterbild.
Und sie kommen nicht alle aus Paris.
Etwa ein Drittel der Bewohner kam von anderswo. Derzeit teilen sich mehr als sechzig Nationalitäten die gleichen Etagen.
Wer ist nach den Franzosen da?
- Marokko
- Deutschland
- Großbritannien
- Algerien
- Indien
Sicherlich sind die USA immer noch der größte ausländische Block. Aber die Karte breitet sich aus.
Wahlangst
Es gab einen Moment.
Als Station F geboren wurde, gewann Emmanuel Macron gerade seine erste Präsidentschaftswahl. Es fühlte sich wie ein Omen an. Jung. Pro-Business. Zukunftsorientiert. Die Luft roch nach neuem Geld.
Neun Jahre später?
Die Stimmung ist schwer.
Die nächsten Wahlen in Frankreich stehen nächstes Jahr an und die Gründer sind nervös.
Mehr als die Hälfte von ihnen nennt die Wahl als ihre größte Sorge. Nicht die Wirtschaft. Keine Talentkriege. Politik.
Vor wem fürchten sie sich?
47 Prozent haben die größte Angst vor einem Wahlsieg der Rechtsextremen. 24 Prozent haben Angst vor der extremen Linken.
Es kommt auf eines an: Einwanderung.
Dieser Campus ist auf Außenstehende angewiesen. Jeder Dritte dort wurde nicht in Frankreich geboren. Strengere Grenzen? Strengere Visabestimmungen? Das zerstört Geschäftsmodelle.
Station F brachte es auf den Punkt. Eine drastische Änderung der Einwanderungspolitik ist heute die größte Bedrohung für den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Unternehmens hier.
Neun Jahre später ist der Ort größer. Intelligenter. Technischer.
Aber die Zukunft sieht aus wie eine verschlossene Tür.





















