Die Hachette Book Group hat die Veröffentlichung des Horrorromans „Shy Girl“ der Autorin Mia Ballard in den USA zurückgezogen, nachdem Beweise dafür aufgetaucht waren, dass beim Schreiben generative künstliche Intelligenz zum Einsatz kam. Dies ist das erste Mal, dass ein großer Verlag einen zuvor genehmigten Titel wegen KI-Bedenken storniert, was ein Zeichen für ein zunehmendes Vorgehen gegen nicht offengelegte KI-Urheberschaft in der Branche ist.
Die Absage und die Vorwürfe
Das ursprünglich Anfang 2025 im Eigenverlag erschienene Buch wurde letzten November von Hachettes Label Orbit zur traditionellen Veröffentlichung in Großbritannien ausgewählt. Nach einem Bericht der The New York Times, in dem KI-generierte Passagen detailliert beschrieben wurden, entfernte Hachette jedoch Shy Girl von seiner Website und sagte die geplante US-Frühjahrsveröffentlichung ab.
Hachette erklärte, dass die Entscheidung ihr „Engagement zum Schutz des ursprünglichen kreativen Ausdrucks und des Geschichtenerzählens“ widerspiegele. Autoren sind vertraglich dazu verpflichtet, jegliche KI-Beteiligung an ihrer Arbeit offenzulegen, eine Verpflichtung, gegen die Ballard angeblich verstoßen hat. Sie behauptet, dass ein Herausgeber und nicht sie selbst für die KI-geschriebenen Teile des Manuskripts verantwortlich sei.
Nachweis der KI-Nutzung
Der Verdacht gegenüber Shy Girl wächst seit Monaten. Die Analyse des YouTubers Frankie’s Shelf zeigt ungewöhnliche sprachliche Muster auf, die in KI-generierten Texten häufig vorkommen, einschließlich der wiederholten Verwendung von Wörtern. Im Roman kommt das Wort „Edge“ 84 Mal und „Sharp“ 159 Mal vor, oft in unsinnigen oder übermäßig abstrakten Zusammenhängen.
Max Spero, CEO des KI-Erkennungsunternehmens Pangram, ließ im Januar den vollständigen Text durch sein Programm laufen und schätzte, dass 78 % von Shy Girl KI-generiert waren. Während KI-Schreiben in der Self-Publishing-Welt weit verbreitet ist, nehmen traditionelle Verlage jetzt eine viel härtere Haltung ein.
Eine neue Ära für das Publizieren?
Die Verlagsbranche war auf die Geschwindigkeit, mit der sich KI-Tools weiterentwickelt haben, nicht vorbereitet. Große Häuser wie Hachette passen sich jetzt schnell an. Der Fall Shy Girl stellt einen klaren Präzedenzfall dar: Geheime KI-Urheberschaft wird nicht toleriert. Diese Entscheidung wirft Fragen zur Transparenz und Authentizität beim Schreiben auf und zwingt Autoren und Verleger, sich mit den ethischen Implikationen von KI in der kreativen Arbeit auseinanderzusetzen.
Die Folgen dieses Falls könnten die Veröffentlichungsstandards verändern und eine strengere Prüfung der eingereichten Manuskripte und strengere KI-Erkennungspraktiken erfordern.
Hachette antwortete nicht sofort auf weitere Anfragen nach Kommentaren.